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Herr, sei gelobt durch Bruder Feuer,
Franziskus fürchtete das Feuer nicht. So bat er den Sultan, den er von seinem Glauben überzeugen wollte, durchs Feuer zu gehen, wie es uns in den „Blümlein des Franziskus“ (Nr.24) als Legende überliefert ist. Er wusste um die Verheißung an Israel: „Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich bei dir, wenn durch Ströme, dann reißen sie dich nicht fort. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt, keine Flamme wird dich verbrennen. (Jes 43,2). So wird uns auch in der zweiten Lebensbeschreibung von Th.von Celano berichtet, wie Franziskus und das Feuer wahrhaft brüderlich miteinander umgingen (Nr.166): „Daher bemühten sich alle Geschöpfe ihrerseits, dem Heiligen seine Liebe zu vergelten und sie ihm durch ihre Dankbarkeit gebührend zu erwidern. Kostete er, so lächelten sie; bat er, so nickten sie; befahl er, so gehorchten sie. Es genüge, wenn ich nur einiges berichte. Als man ihn bei seiner Augenkrankheit nötigte, sich behandeln zu lassen, rief man in die Niederlassung einen Arzt. Dieser kam, brachte ein eisernes Instrument mit, um eine Ätzung vorzunehmen, und ließ es ins Feuer legen, bis es glühte. Der selige Vater ermutigte nun seinen Leib, der schon vor Schreck zitterte, und sprach das Feuer folgendermaßen an: „Mein Bruder Feuer, herrlicher als die übrigen Dinge, kraftvoll, schön und nützlich hat dich der Allerhöchste geschaffen. Sei mir in dieser Stunde gewogen, sei höflich! Denn schon lange habe ich dich im Herrn geliebt. Ich bitte den großen Herrn, der dich geschaffen hat, er möge deine Hitze ein wenig kühlen, dass ich dein sanftes Brennen aushalten kann.“ Nach dem Gebet machte er über das Feuer das Kreuzzeichen und hielt sich dann ruhig bereit. Der Arzt nahm das weiß glühende Eisen in die Hand; die Brüder machten sich auf und davon, von menschlichem Mitgefühl überwältigt; doch der Heilige bot sich fröhlich und freudig dem Eisen dar. Zischend drang das Eisen in das zarte Fleisch, und vom Ohr bis zu den Augenbrauen wurde nach und nach die Ätzung vollzogen. Welchen Schmerz ihm jenes Feuer bereitete, bezeugen die Worte des Heiligen, der es am besten wissen muss. Als die entflohenen Brüder nämlich zurückkamen, sagte ihnen der Vater lächelnd:„Ihr Kleinmütigen und Schwachherzigen, warum seid ihr geflohen? In Wahrheit sage ich euch, ich habe weder die Glut des Feuers gespürt, noch sonst einen Schmerz des Fleisches empfunden.“ Und zum Arzt gewandt, sagte er: „Wenn das Fleisch noch nicht genug geätzt ist, ätze noch einmal!“ Der Arzt, der bei ähnlichen Fällen ganz anderes erlebt hatte, pries dieses Gotteswunder mit den Worten: „Brüder, ich sage euch, ich habe heute wunderbare Dinge gesehen“. Ich glaube, der Heilige war zur Paradiesesunschuld zurückgekehrt; vor ihm wurden, wenn er wollte, selbst die wilden Elemente zahm.“ Im nächsten Monat werden wir noch ein paar weitere Gedanken zum Bruder Feuer, vor allem mit Blick auf die heilige Klara, betrachten. Zum Ende möchten wir mit der Einladung, in den Lobpreis des Schöpfers mit einzuschwingen, ein letztes Zitat anfügen, das wieder aus dem „Spiegel der Vollkommenheit“ entstammt (Nr.119): Preist den Herrn, Feuer und Glut; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit! (Dan 3,66)
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