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Februar 2016

 

Herr, sei gelobt durch Bruder Feuer,
der uns erleuchtet die Dunkelheit und Nacht.
Er ist so schön, gar kraftvoll und auch stark.

Auch Bruder Feuer steht uns heute in seiner Vielseitigkeit vor Augen. „Man macht ein Feuer und wärmt sich daran. Auch schürt man das Feuer und bäckt damit Brot. Den einen Teil des Holzes wirft man ins Feuer und röstet Fleisch in der Glut und sättigt sich an dem Braten. Oder man wärmt sich am Feuer und sagt: Oh, wie ist mir warm! Ich spüre die Glut.“ (Jes 44,15f). Behagliche Wärme, gemütliche Atmosphäre, wie wir sie in den letzten Jahren wieder vermehrt in den Wohnungen am Kamin finden. Im Falle der Jünglinge im Feuerofen wiederum eher eine Bedrohung (vgl. Dan 3). Genutzt auch gerne für die liturgischen Opfer, z.B. die Brandopfer (Lev 1; Dan 3,40) zur Sühne. Allen wohl bekannt ist auch die Forderung an Abraham, er möge seinen Sohn opfern. Holz für das Opfer war da (vgl.Gen 22). Auch zur Reinigung wird Feuer verwendet (Num 31,23), zur Läuterung (Ps 18,31; Sach 13,9). Franziskus liebte das Feuer in ganz besonderer Weise. Es sind manche kleine Begebenheiten überliefert, so zum Beispiel die folgende Geschichte aus dem Spiegel der Vollkommenheit, einer Sammlung von Legenden, die heute ins 14.Jh. datiert wird (Nr.116):  
„Unter allen niederen und empfindungslosen Geschöpfen fühlte er sich in besonderer Weise zum Feuer hingezogen wegen seiner Schönheit und Nützlichkeit. Deshalb wollte er seine Aufgabe niemals behindern. Als er einmal nahe beim Feuer saß, erfasste das Feuer, ohne dass er es merkte, sein leinenes Beinkleid oder die Hosen nahe beim Knie, und obwohl er die Hitze des Feuers spürte, wollte er es nicht löschen. Als aber sein Gefährte seine Beinkleider brennen sah, lief zu er ihm hin und wollte das Feuer löschen. Der selige Franziskus jedoch verwehrte es ihm und sagte: „Nicht, liebster Bruder, tu Bruder Feuer kein Leid an!“ Und so wollte er auf keine Weise, dass er es lösche. So ging dieser eilends zu jenem Bruder, der (sein) Guardian war, führte ihn zum seligen Franziskus, und gegen dessen Willen löschte jener sofort das Feuer. Er wollte nämlich (auch im dringenden Fall) niemals ein Feuer löschen oder auch eine Lampe oder Kerze, von solchem Mitgefühl wurde er gegen es bewegt. Auch wollte er nicht, dass ein Bruder das Feuer oder ein qualmendes Holzstück von einem Platz an einen anderen werfe, wie man es zu tun pflegt, sondern wünschte, dass er es flach auf die Erde lege, aus Ehrfurcht vor dem, dessen Geschöpf es ist.“

Franziskus fürchtete das Feuer nicht. So bat er den Sultan, den er von seinem Glauben überzeugen wollte, durchs Feuer zu gehen, wie es uns in den „Blümlein des Franziskus“ (Nr.24) als Legende überliefert ist. Er wusste um die Verheißung an Israel: „Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich bei dir, wenn durch Ströme, dann reißen sie dich nicht fort. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt, keine Flamme wird dich verbrennen. (Jes 43,2). So wird uns auch in der zweiten Lebensbeschreibung von Th.von Celano berichtet, wie Franziskus und das Feuer wahrhaft brüderlich miteinander umgingen (Nr.166): Daher bemühten sich alle Geschöpfe ihrerseits, dem Heiligen seine Liebe zu vergelten und sie ihm durch ihre Dankbarkeit gebührend zu erwidern. Kostete er, so lächelten sie; bat er, so nickten sie; befahl er, so gehorchten sie. Es genüge, wenn ich nur einiges berichte. Als man ihn bei seiner Augenkrankheit nötigte, sich behandeln zu lassen, rief man in die Niederlassung einen Arzt. Dieser kam, brachte ein eisernes Instrument mit, um eine Ätzung vorzunehmen, und ließ es ins Feuer legen, bis es glühte. Der selige Vater ermutigte nun seinen Leib, der schon vor Schreck zitterte, und sprach das Feuer folgendermaßen an: „Mein Bruder Feuer, herrlicher als die übrigen Dinge, kraftvoll, schön und nützlich hat dich der Allerhöchste geschaffen. Sei mir in dieser Stunde gewogen, sei höflich! Denn schon lange habe ich dich im Herrn geliebt. Ich bitte den großen Herrn, der dich geschaffen hat, er möge deine Hitze ein wenig kühlen, dass ich dein sanftes Brennen aushalten kann.“ Nach dem Gebet machte er über das Feuer das Kreuzzeichen und hielt sich dann ruhig bereit. Der Arzt nahm das weiß glühende Eisen in die Hand; die Brüder machten sich auf und davon, von menschlichem Mitgefühl überwältigt; doch der Heilige bot sich fröhlich und freudig dem Eisen dar. Zischend drang das Eisen in das zarte Fleisch, und vom Ohr bis zu den Augenbrauen wurde nach und nach die Ätzung vollzogen. Welchen Schmerz ihm jenes Feuer bereitete, bezeugen die Worte des Heiligen, der es am besten wissen muss. Als die entflohenen Brüder nämlich zurückkamen, sagte ihnen der Vater lächelnd:„Ihr Kleinmütigen und Schwachherzigen, warum seid ihr geflohen? In Wahrheit sage ich euch, ich habe weder die Glut des Feuers gespürt, noch sonst einen Schmerz des Fleisches empfunden.“ Und zum Arzt gewandt, sagte er: „Wenn das Fleisch noch nicht genug geätzt ist, ätze noch einmal!“ Der Arzt, der bei ähnlichen Fällen ganz anderes erlebt hatte, pries dieses Gotteswunder mit den Worten: „Brüder, ich sage euch, ich habe heute wunderbare Dinge gesehen“.  Ich glaube, der Heilige war zur Paradiesesunschuld zurückgekehrt; vor ihm wurden, wenn er wollte, selbst die wilden Elemente zahm.“

Im nächsten Monat werden wir noch ein paar weitere Gedanken zum Bruder Feuer, vor allem mit Blick auf die heilige Klara, betrachten. Zum Ende möchten wir mit der Einladung, in den Lobpreis des Schöpfers mit einzuschwingen, ein letztes Zitat anfügen, das wieder aus dem „Spiegel der Vollkommenheit“ entstammt (Nr.119):
Von allen Geschöpfen, die der Vernunft entbehren, liebte er Sonne und Feuer am herzlichsten. Er sagte nämlich: „Am Morgen, wenn die Sonne aufgeht, müsste jederMensch Gott loben, der sie erschaffen hat zu unserem Nutzen, weil durch sie unsere Augen am Tage erleuchtet werden. Am Abend, wenn es Nacht wird, müsste jeder Mensch Gott loben für Bruder Feuer, durch den unsere Augen in der Nacht erleuchtet werden. Wir alle sind nämlich fast wie Blinde, aber der Herr erleuchtet durch diese unsere beiden Brüder unsere Augen. Und deshalb müssen wir im Besonderen für diese und die anderen Geschöpfe, deren wir uns täglich bedienen, den Schöpfer selbst loben.“

Preist den Herrn, Feuer und Glut; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit! (Dan 3,66)


 

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